Ein ehrlicher Rückblick

Liebe Leserin, lieber Leser,

ganze zwei Jahre ist es her seit ich hier auf unserem Blog geschrieben habe, eine gefühlte Ewigkeit. Heute möchte ich erzählen, warum das so war und was ich hier verändern möchte.

Was war los?

Thomas und ich haben ursprünglich den Blog ins Leben gerufen, weil wir ein ortsunabhängiges Onlinebusiness aufbauen wollten. Wir waren beflügelt von dem Gedanken, mit den Kindern auf Reisen zu gehen und unser Geld nicht mehr durch Thomas‘ Arbeit als Schreiner zu verdienen sondern durch unsere Tätigkeit online, so wie wir es bei so vielen anderen Familien im Netz gelesen hatten, die mit diesem Weg erfolgreich sind. Wir haben also überlegt, welches Thema unsere Familie ausmacht und ganz klar war das – zum damaligen Zeitpunkt, wie wir dachten – die vegane Ernährung, die uns und unseren Kindern in einer schwierigen, krankheitsbelasteten Zeit geholfen hat und uns begeisterte. Es war schnell klar dass sich der Blog mit Veganismus und anderen alternativen Gesundheitsthemen beschäftigen soll.

Während Thomas also weiter seinem Beruf als Tischler nachging (denn wir wollten nicht alles auf eine Karte setzten), versuchte ich mit viel Arbeit, selbstgestrickten engmaschigen Zeitplänen und auf verschiedenen Kanälen, unseren Weg zu beschreiben und den Lesern mitzugeben, was uns geholfen hatte und interessant für die Gesundheit anderer sein könnte, die weniger Erfahrung hatten, als wir. Ich schrieb Blogartikel und Newsletter, teilte Beiträge bei Facebook und Instagram, drehte Videos für Youtube, stand ganz viel in der Küche um Smoothies und andere Gerichte zuzubereiten und zu zeigen, gab für diverse Online Kongresse mit Thomas zusammen Interviews und schrieb ein Buch mit Kochrezepten und eins mit Smoothierezepten.

Doch je mehr ich schrieb und mich mit allerhand Themen „da raus“ wagte, desto mehr fühlte sich auf einmal immer mehr nicht mehr stimmig an. Im Gegenteil, es fühlte sich schlecht an, ich hatte immer weniger Lust auf das Ganze.

Woran lag das nur?

So viel Arbeit die ich mir machte und das Thema das mich und uns eigentlich interessierte wurde immer uninteressanter und fühlte sich plötzlich nicht mehr leicht, sondern ganz schwer an. Es machte keinen Spaß mehr und wenn mich etwas nicht mit Freude erfüllt, dann kann ich nicht dranbleiben, dann kann ich der Sache keine Konsequenz geben.

Mehrere Gründe für die Lustlosigkeit am Bloggen

Ich wollte mich nicht mehr getrieben fühlen vom „wieder was Posten müssen“ um die Follower bei der Stange zu halten. Ich wollte nicht mehr ständig verkrampft nach Themen suchen nur um etwas posten zu können obwohl ich mich kein Stück danach fühlte. Der ganze Stress um Reichweite zu bekommen und die Verkaufszahlen zu erhöhen war irgendwie zermürbend für mich. Der Sklave des eigenen Blogs werden um Geld zu verdienen? Nein danke, das war es nun wirklich nicht was ich wollte. Ich war angetreten, um ein Business zu kreiieren, das ich als Mama führen kann und mit dem ich auch noch genug Zeit für die Kinder haben würde. Denn das ist es, was ich lange hauptsächlich war und sein wollte: Mama meiner beiden Kinder sein. Nur liess mir mein selbstgemachter Druck, regelmäßig Content zu veröffentlichen und Geld zu verdienen, kaum noch Zeit für die Kinder und das machte alle unzufrieden. Ja, Ihr sagt jetzt vielleicht ich hätte es langsamer angehen können. Aber ich habe das damals nicht geschafft. Ich brauchte die Auszeit um aus der „Ferne“ nochmal draufgucken zu können und zu erkennen, was eigentlich los ist. Nun sind die Kinder größer um nicht zu sagen groß und ich habe wieder mehr Zeit, die ich für mich nutzen kann. Und für diesen Blog.

Mir wurden drei Dinge klar:

1. Thomas war die Schreinerei wichtiger als gedacht. Ja, auch das kann ein Lernprozess sein, festzustellen, dass man das, was man tut, liebt und es gerne tut und auch nicht aufgeben möchte. Ich glaube, das war ihm in der Anfangseuphorie gar nicht klar, dass er sein Business einfach behalten möchte weil es ihn erfüllt. Natürlich ist reisen immer schon ein Thema für uns gewesen und ist es immer noch! Wir lieben reisen und tun das gerne und so oft es geht aber wollten wir deshalb wirklich ALLES kompromisslos hinschmeißen? Offensichtlich nicht.

2. Ich stand eigentlich alleine hinter dem Familienblog Vital For Family. Thomas zog sich immer mehr raus (was auch völlig ok war nachdem wir alle vier artikulieren konnten was wer will), die Kinder wollten im Netz nicht mehr aktiv sein, was wir natürlich sofort respektierten und dauerhaft reisend waren wir auch nicht, weshalb alles irgendwie nicht mehr den Sinn machte, den es eigentlich haben sollte.

3. Vegan war einfach nicht mehr unser Thema. Ach Du Schreck! Wir haben acht Jahre lang alle vier komplett vegan gelebt und alternative Gesundheitsthemen bestimmten unseren Alltag. Ich habe das anfangs schon geschrieben: das alles entstand aus dem Leidensdruck heraus, den wir damals hatten, einen Weg zu finden, unsere Kinder zu mehr Gesundheit zu führen und wegzukommen von den dauerhaften Erkrankungen wie Asthma und Allergien. Durch unsere „Reise“ hat sich soooo viel geändert, zum Positiven hin und wir wissen nun, wie wir gesund leben können. Allerdings haben sich auch unsere Leben und unsere Bedürfnisse in der Familie in den letzten Jahren geändert. Zur Zeit des Blogstarts waren wir gerade im Prozess, uns vom Thema vegan ein wenig zu lösen. Doch das ist uns erst durch die Arbeit am Blog so richtig aufgefallen.

Wir spürten auf einmal ganz stark, dass wir uns weiter entwickelt hatten. Anfangs konnte ich das nicht so ganz sehen, ich merkte nur, dass sich nichts mehr richtig stimmig anfühlte. Viel später, als ich eine ganze Weile schon nichts mehr geschrieben und gepostet hatte, kam mir die Erleuchtung: Wir waren einfach aus der Zeit mit kleinen Kindern und gesundheitlichen Problemen rausgewachsen, kurzum, wir waren unserem Thema „Gesunde Ernährung für mehr Familiengesundheit“ entwachsen. Die Kinder sind nun größer und „stabiler“ und so gut wie nicht mehr krank, ganz im Gegensatz zu den vielen Jahren davor. Aber das bedeutete eben auch, dass wir nun buchstäblich den Rücken frei hatten, uns auch mit anderen Themen zu beschäftigen. Vegan leben und Gesundheit waren nicht mehr die einzigen Themen, die uns ausmachten und nicht jeder in der Familie ernährt sich immer noch vegan.

Ich ernähre mich nicht mehr ausschließlich vegan. Darf man das denn überhaupt laut sagen? Auf einem Blog, der ins Leben gerufen wurde von einer Familie, die vegan ist bzw. war? Ich habe es jedenfalls lange Zeit nicht getan, aus Angst vor dem drohenden internet-lichen Shitstorm. Wie wir alle wissen ist Angst ein schlechter Berater.

Wir haben das alles nicht angefangen, um dogmatisch zu sein, sondern um einen Weg für uns zu finden und über die positiven Auswirkungen zu sprechen in der Hoffnung, dass unsere Erfahrungen anderen helfen können.

Auch heute noch tragen wir alle natürlich diesen Weg und auch die Themen in uns. Deshalb wird sich dieser Blog auch weiterhin mit gesundheitlichen Themen beschäftigen. Doch es wird zukünftig eher mein Blog sein und nicht mehr der Blog von uns vieren. Ich werde schreiben wenn ich mich danach fühle und Euch was zu sagen habe und ich möchte auch zukünftig mehr für mich schreiben, als für den Blog, falls Ihr versteht was ich damit sagen will. Denn Themen schriftlich zu bearbeiten, die mich beschäftigen und mich darüber mit der Welt da draußen auszutauschen hilft mir immer ganz gut, klar zu sehen. Deshalb schreibe ich auch gerne Tagebuch. Schriftlich.

Ich werde von schönen Dingen und von traurigen berichten, mehr über mich und über das was mich gerade beschäftigt. Über Prozesse durch die man geht im Leben oder auch einfach mal über Belangloses Schönes zum Freuen oder unsere Reisen, über Gesundheit und Ernährung oder was auch immer mir an Themen über den Weg läuft.

Ich werde Euch auch unsere Schneidebretter aus Holz mit unserem besonderen Design vorstellen, die Thomas und ich gebaut haben und die sich so richtig anfühlen weil uns das Thema Holz eben naturgemäß ausmacht – Schreiner Thomas sei dank. Nein, das war nicht seine Idee sondern meine und das hatte auch einen Grund. Mehr dazu aber in einem anderen Beitrag.

Dieser Text ist länger geworden als ich es vorgesehen hatte und dennoch könnte ich noch seitenweise weiter schreiben denn es ist noch längst nicht alles gesagt was ich gerne sagen würde. Für den Anfang schließe ich jedoch hiermit und freue mich über jeden, der mir hier treu bleibt und natürlich freue ich mich genauso über alle neuen Leser. Bitte beachtet, dass ich hier von meinem eigenen Weg berichte, der natürlich nicht für jeden der Richtige sein muss.

Meldet Euch doch gerne zu Wort und hinterlasst einen Kommentar.

Alles Gute für Euch und bis bald,

Angelika

6 Kommentare

  1. Wow, dieser Artikel berührt mich sehr. Ich kann dich und euch so gut verstehen. Ich bin selbst im veganen Feld (mittlerweile bevorzuge ich „pflanzenbasiert“ weil ich auch den Dogmatismus nicht mag und auch zwischenzeitlich mal wo anders abgebissen habe 🙂 tätig (Fokus auf Mamas) – aber nicht nur und breite und weite auch langsam meine Flügel immer mehr aus. Ich finde es totoal mutig, authentisch und stimmig, wie du damit umgehst bzw. ihr als Familie und habe den Artikel gleich geteilt, um mehr Menschen dazu zu ermutigen, zu sich selbst, ihrer Entwicklung und Ernährung zu stehen. Ich bin gespannt auf dein und euer neues Wirken! Alles Liebe

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    • Liebe Manu, ich danke Dir von Herzen für Deine Unterstützung und Deine lieben Worte. Pflanzenbasiert finde ich eine sehr gute Idee, manchmal kommt mir der Begriff vegan schon sehr dogmatisch vor aber natürlich liegt das auch immer an den Erfahrungen die man macht im Gespräch mit anderen. Ich bin dank Eures Feedbacks so froh dass ich den Schritt jetzt gemacht habe, sonst wäre ein weiterschreiben auf diesem Blog für mich gar nicht möglich geworden. Und natürlich bin ich glücklich zu lesen, dass ich nicht alleine bin mit der Art und Weise, eine undogmatische Annäherung an das Thema zu finden. Ich werde mich gleich bei Dir auf dem Blog umschauen, vielen herzlichen Dank und bis bald wieder. <3

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  2. Ich finde deinen Schritt so ehrlich und gut. Es ist nun mal so, dass wir und das Leben Veränderung mitbringen. Ich bin sehr „spät“ zu deinem Blog dazugestoßen und dachte schon: „Huch, lange nichts gelesen..“
    Mach dir keine Gedanken. Es werden vllt mache gehen und wiederum andere Menschen zu deinem Blog dazukommen.. Wenn es auch manchmal finanzielle Einbußen gibt, so hat man vllt mehr Zeit? Alles hat immer zwei Seiten und es ist nun mal so: Ehrlich wärt am Längsten! Alles richtig gemacht, würde ich sagen! Ich freue mich auf schöne Berichte, interessante Themen und inspirierende Artikel. Liebe Grüße, Silke

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    • Liebe Silke, schön hier von dir zu lesen 🙂 Ich finde es plötzlich gar nicht mehr schlimm, wenn Menschen gehen und sich zum Beispiel vom Newsletter abmelden. Mitlerweile denke ich mir, dass es dann einfach nicht gepasst hat und kann locker damit umgehen. Ich frage mich im Nachhinein, warum ich da gedanklich so festgefahren war aber dann denke ich wieder: es war eben einfach so und ist jetzt vorbei und das ist gut so. 🙂 Wieder was gelernt, auch wenn es so lange gedauert hat. Es ist schön, Deine Worte zu lesen, ich bin ja so ein sehr emotionaler Mensch, dass ich mich da ehrlich drüber freue. <3 Ich danke Dir! Liebe Grüße und wir sehen uns - hier und da und irgendwie überall. 🙂 Angelika

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