Der Kirschbaum in meinem Garten blüht! Wenn ich aus dem Fenster gucke, sehe ich eine wunderschöne rosa-weiße Blütenpracht. Mache ich das Fenster auf, höre ich das geschäftige Summen und Brummen einer Vielzahl unterschiedlichster Bienen und Hummeln. Endlich wird es Frühling, endlich ist es draußen wieder so mild, dass die Bienen ihre Flügel ausbreiten und sich in die Lüfte schwingen können. Wenn dazu noch die Sonne scheint, dann ist mein Glück perfekt.

Ja, ich kann mich an solchen Dingen unendlich erfreuen. Die Natur mitzuerleben, am Besten im Jahresrhythmus, ist mir über die Jahre immer wichtiger geworden. Ende März, Anfang April blüht mein Kirschbaum. Nicht sehr lange zwar, aber dafür in vollster Blütenpracht.

Diese Herrlichkeit habe ich meinem Schwiegervater zu verdanken. Vor Jahren, als wir diesen Garten bekommen haben, hatte ich keine Ahnung von Pflanzen. Es hatte mich bis dato auch nicht interessiert. Mein Schwiegervater hat uns viele tolle Tipps für den Garten gegeben und mit uns Pflanzen ausgesucht. Zu allen Pflanzen hatte er kleine Geschichten zu erzählen. Pflanzen begeisterten ihn, Gärten liebte er. Ganz Tage verbrachte er in seinem eigenen Garten. Mit seiner Begeisterung hat er mich angesteckt. Mein Kirschbaum heisst Accolade und war ein Tipp meines Schwiegervaters. Er ist leider schon verstorben aber mein Kirschbaum erinnert mich immer an ihn.

Warum ich von meinem Kirschbaum schreibe?

Weil er das Einzige ist, das in meinem Garten blüht. Der Rest des Gartens ist eine einzige riesige Baustelle und so schnell ist wohl auch keine Besserung in Sicht. Der Garten musste aufgebuddelt werden, es führte leider kein Weg daran vorbei. Das ist jetzt zwei Jahre her und der Bauunternehmer hat Mist gebaut und viel mehr gebuddelt, überfahren und kaputt gemacht als er sollte. Seitdem sitzen wir auf der Baustelle.

Ich versuche, das so anzunehmen wie es ist und zu akzeptieren, dass wir im Moment keinen Garten haben. Es hilft ja nicht, sich ständig zu frustrieren. Heute gelingt es mir besser als noch vor einiger Zeit. Natürlich ist mir völlig klar, dass noch lange nicht jeder einen Garten hat, um den er sich kümmern und den er gestalten kann, vielleicht schreibe ich hier am Ende tatsächlich über ein Luxusproblem.

Wir hatten aber einen Garten und mir ist klargeworden, wie wichtig der Garten für mich und auch für uns als Familie gewesen ist. Mit dem Garten sind auch die meisten Pflanzen verschwunden und viele viele Erinnerungen. Meine Kinder sind in diesem Garten aufgewachsen, wir haben dort unsere Kräuter angebaut, mit dem Hund getobt, Feste gefeiert und jede Menge schöner Stunden verbracht.

Es war kein perfekter Garten, ganz im Gegenteil. Es gibt 100e anderer Gärten die schöner angelegt sind, größer sind und mehr Platz haben. Aber es war unser Garten und trotz einiger Mankos hat er mir gefallen. Ich brauche kein riesiges Areal, das ich meinen Garten nennen kann aber mir fehlt die Naturoase direkt am Wohnort. Einen Platz, an dem man zur Ruhe kommen kann, ob durch sitzen und lesen, Pflanzen ein- und umtopfen, Kaffee trinken mit Freunden oder Tiere beobachten und Sonne genießen.

Ich war glücklich, diesen kleinen Garten zu besitzen.

Man konnte unter der Markise sitzen und dem Wasser aus dem kleinen Brunnen zuhören. Man konnte den Sommerflieder beobachten und die vielen bunten Schmetterlinge, die sich von ihm ernährt haben. Man konnte umherstreifen und die blauen Blüten des Borretsch oder die gelben Blüten der Ringelblume pflücken und über den Salat streuen. Man konnte Thymian oder Salbei ernten und trocknen und im Winter Tee daraus trinken, konnte die reifen Tomaten an der Hauswand ernten oder einfach nur die Beine hochlegen und in einem guten Buch versinken. Man konnte sogar an der alten Werkbank von Thomas im Schuppen basteln und Holz sägen oder Nistkästen zusammenbauen. Man konnte Blumenampeln aufhängen oder Vogeltränken aufstellen. Man konnte sich im Winter an den vielen selbstgebauten Futterstationen erfreuen, die Meisen, Rotkehlchen, Rotschwanz, Sperlinge und Co immer gerne besuchten. Man konnte dem geschäftigen Treiben im Insektenhotel zusehen oder den kleinen Meisen und Amseln im Frühjahr beim fliegen lernen.

Kurz gesagt: wir konnten uns in unserem Garten erholen, der Garten war ein Stück Lifestyle von uns, der zu unserem Wohlbefinden beigetragen hat, ein Ort, an dem wir der Natur nah sein konnten und entspannen und Familie sein konnten. Deshalb ist es auch so schade, dass der Garten im Moment so brach liegt.

Es dauert noch ein wenig, bis wir den Garten wieder herstellen können und so lange ist Geduld gefragt.

Ich vermisse meinen Garten. Sehr sogar. Doch in der Zwischenzeit, nach der Zeit in der ich einfach nur frustriert war und mich über den Bauunternehmer maßlos geärgert habe, habe ich erste neue Ideen bekommen, was ich wo wie pflanzen möchte. Ich habe angefangen, mir einen Plan im Kopf zu machen, wie der neue Garten aussehen soll. Es herrscht wieder seichte Garten-Aufbruchstimmung und Hoffnung, passend zur Jahreszeit, dem Frühlingsbeginn. Viel zu lange habe ich mich in der negativen Energie der Trauer um meinen Garten aufgehalten. Jetzt ist das zum Glück vorbei und wir können das Thema angehen.

Der Kirschbaum in meinem Garten blüht. Seine Blütenpracht erinnert mich an alte, schöne Gartenzeiten. Und er steht stellvertretend für den neuen Garten mit neuen Erinnerungen. Der bald Stück für Stück entsteht und dann auch bleiben darf.

Herzliche Grüße,

Angelika

Hast Du auch einen Garten oder einen Balkon? Bist Du gerne draußen und kannst nachvollziehen wovon ich schreibe? Ich freue mich auf Deinen Kommentar.

 

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