Hast Du schonmal Dein eigenes Obst und Gemüse, Deine eigenen Kräuter angebaut? Egal ob auf dem Balkon, im eigenen Garten oder auf einem gemieteten Stück Land… Selbstanbau macht Spaß und lässt uns lernen.

Im letzten Sommer haben wir als Familie zum ersten Mal Erfahrungen mit dem Thema Selbstanbau gemacht und ich kann Euch sagen, es waren tolle Erfahrungen!

Unser eigenes Gemüse selbst anpflanzen, pflegen, ernten und verarbeiten? Irgendwie formierte sich diese Idee in unseren Köpfen und wir fanden sie richtig gut. Nein, anders: sie fühlte sich einfach richtig an. Selbstanbau hat etwas ursprüngliches, etwas geerdetes, genau das, wonach wir suchten.

Selbstanbau auf einem Hof in Deiner Nähe

Aber wie? Zu Hause den eigenen Garten umgraben oder doch lieber auf einem Hof? Wir haben uns nach einigem Hin und Her dafür entschieden, unseren Garten so zu lassen wie er ist und haben auf einem Biolandhof in unserer Nähe eine Freilandparzelle gepachtet. Ihr wisst ja vielleicht bereits, dass wir große Biofans sind und deshalb haben wir uns sehr gefreut, einen passenden Hof zu finden.

Die Möglichkeit, auf einem Hof mit anderen Menschen zusammen sein eigenes Stück Land zu bewirtschaften gefiel uns sehr. Seit einigen Jahren kann man dieses Angebot auf immer mehr Höfen annehmen.

Unser“ Biohof stellt Freilandparzellen von Mai bis Ende Oktober zur Verfügung. Man muss hier nicht alles selbst anpflanzen. Die Mitarbeiter pflanzen jede Parzelle vor. So wuchsen schon kleine winzige Kohlrabi-, rote Beete-, Spitzkohl-, Brokkolipflanzen sowie Kartoffeln und Sellerie in unserem Beet. Eine komfortable Lösung für Anfänger, wie wir finden. Trotzdem haben wir noch viel mehr Gemüse, Kräuter und Salate dazu gepflanzt. Die einzige Bedingung war, dass es Biolandsamen sein müssen und keine herkömmlichen. Aber das kam uns sowieso entgegen.

Jetzt ging es los. Es war ein heißer Sommer und so hieß es spätestens alle zwei Tage, nach dem Acker gucken, Unkraut rupfen und vor allem die kleinen zarten Pflänzchen immer ausreichend mit Wasser versorgen. Eine richtige Familienaufgabe, an der alle Spaß hatten. Die Kinder haben tatkräftig geholfen. Die Ausbeute einige Wochen später war einfach grandios. Und das Gefühl, dass wir das viele Gemüse, das wir mit nach Hause nehmen konnten, selbst gezogen und uns erarbeitet hatten, war einfach nicht zu toppen.

Am Ende des Sommers waren wir regelrecht traurig, dass wir unser Stück Land wieder abgeben mussten. So viel Spaß trotz Verpflichtung in der Natur hatten wir lange nicht mehr gehabt. Doch diese schöne Erfahrung des Selbstanbaus hat uns regelrecht über den Winter getragen. Wir haben noch oft darüber gesprochen wie wir auf dem Acker waren und für unsere Pflanzen gesorgt haben, wie viel Spaß wir dabei hatten und was wir alles für nette Menschen kennengelernt haben.

In diesem Jahr sind wir so viel unterwegs, dass es sich leider nicht lohnt, erneut eine Parzelle zu mieten. Aber ein bisschen autark wollen wir trotzdem leben. Deshalb haben wir dieses Jahr unseren Garten umgegraben und vor allem Kräuter gepflanzt. Die brauchen wir für unsere Smoothies, zum zwischendurch essen, zum Tees draus machen und Speisen würzen.

Es muss nicht immer ein ganzer Garten oder ein riesiges Beet voll sein. Nicht jeder hat die Zeit und die Kapazitäten, sich intensiv um ein großes Stück Land zu kümmern und das ist auch ok so. Um sich naturnah zu erleben reicht es auch, auf dem Balkon in Töpfen einige leckere Dinge anzubauen. Die Erfahrungen, die man dabei machen kann, nimmt einem niemand mehr. Am Leben in seiner ursprünglichen Form teilzunehmen, sich selbst und das Leben wahrzunehmen und sich mit seinen Wurzeln zu verbinden macht nicht nur Spaß sondern kann ebenso heilsam sein.

Was Du vom Selbstanbau lernen kannst

Naturverbundenheit

Für viele von uns ist es heutzutage nicht mehr selbstverständlich, die Natur zu erleben. Die Selbstversorgung bietet eine wunderbare Möglichkeit, sich nicht nur in der Natur aufzuhalten, sondern auch in ihr zu arbeiten, sie zu erleben. Man verbindet sich mit der Erde und den Pflanzen, sieht sie wachsen und gedeihen und ist Teil eines jahreszeitlichen Rhythmus. Man lernt von ihr, fühlt sich verbunden und kehrt zu den Wurzeln des Menschseins zurück. Naturerfahrungen zu machen „erdet“ uns im wahrsten Sinne des Wortes. Wir können wieder zu uns selbst finden und zur Ruhe kommen. Die Natur lässt uns den oft stressigen Alltag und unsere Sorgen vergessen.

Genügsamkeit und Dankbarkeit

Selbstanbau dauert. Es ist etwas anderes, auf das Wachsen der eigenen Pflanzen zu warten und etwas dafür tun zu müssen als komfortabel in den nächsten Laden zu spazieren und sich sein Obst und Gemüse ganz einfach zu kaufen. Es muss nicht immer die exotische Vielfalt aus aller Welt sein. Genügsam sein bedeutet auch, regional und im Jahresrhythmus anbauen und ernten. Weniger Lebensmittel verschwenden und mehr Bezug zu ihnen haben.

Im Einklang mit der Natur heißt das Motto beim Selbstanbau. Wieder lernen, einfacher zu leben. Warten können. Dem Wachstum zuschauen. Hegen und pflegen und das Leben langsamer und ruhiger angehen. Nach und nach wird das Gemüse geerntet und kann verarbeitet werden. Kreativ werden kann man beim Kochen mit neuen, selbst kreierten Rezepten.

Wir erfahren Dankbarkeit für das was wir haben und für das, was ist. Solche Naturerfahrungen sind eine gute Möglichkeit, bewusst im Hier und Jetzt zu leben.

Verantwortung

Eigene Nutzpflanzen anzubauen ist keine Aufgabe, die man mal eben so für wenige Tage macht dann wieder aufgibt. Sie erstreckt sich über einen Zeitraum von mehreren Wochen und Monaten. Den ganzen Frühling und Sommer über bis in den Herbst hinein kümmert man sich liebevoll um sein Gemüse und wird dafür bei der Ernte reich belohnt. Man kann auch sagen man macht sich das Stück Land, das man bewirtet, zu eigen. Es baut sich eine Beziehung auf zu Land und Pflanzen, von der wir profitieren können. Wir tragen die Verantwortung für das, was bei uns wächst. Dafür, dass wir nicht achtlos damit umgehen, sondern die Pflanzen am Leben erhalten.

Lebendigkeit und Vielfalt erleben

Das Wachstum der Pflanzen und die Vielfalt der Sorten miterleben macht Spaß und ist einfach schön. Wir haben gerade bei unseren Kindern in dieser Zeit gemerkt, dass sie Natur anders wahrnehmen als vorher. Man wächst eben mit seinen Pflänzchen. Was war das für eine Freude, als aus den Samen nach Tagen und Wochen endlich die ersten winzig kleinen Blätter wurden. Offensichtlich hatte sich im Boden etwas getan, was wir nicht gesehen haben, was aber trotzdem passiert ist. In der Erde findet Leben und Wachstum statt. Anfangs haben wir noch gerätselt, welches Blatt denn nun wohl welches Gemüse sein könnte doch nach einer Zeit haben wir gelernt, sie zu unterscheiden. Mittlerweile sind wir richtige Profis geworden – im Gegensatz zu vorher! Denn man macht sich viel weniger Gedanken um die Gemüsepflanzen, wenn man im Laden einfach zugreift als wenn man sie wirklich selbst wachsen sieht.

Zufriedenheit

Viele Menschen fühlen sich in unserer technikdominierten Welt mehr und mehr nutzlos. Was bewirkt eigentlich die Arbeit, die ich tue? Hilft sie den Menschen? Fühle ich mich wohl damit? Habe ich das Gefühl, gebraucht zu werden etwas sinnvolles zu tun? Das ist es doch genau, das wir Menschen wollen: unsere Zeit sinnvoll nutzen, etwas erschaffen. Ein Leben im Einklang mit der Natur und den Jahreszeiten hilft uns, uns geborgen und zufrieden zu fühlen. Die Selbstversorgung lässt uns genau das wieder spüren: das Gefühl von Zufriedenheit und Sinnhaftigkeit.

Freiheit

Selbstanbau macht uns ein Stück weit autark und unabhängig. Wir merken, dass wir uns selbst versorgen können, ohne auf Großkonzerne angewiesen zu sein. Wir können selbstständig für unser Essen sorgen und der Anbau macht auch noch Spaß! Das ist ein schönes und erhebendes Gefühl, das uns stärkt. Wir erleben ein Gefühl der Freiheit.

Das System im Kleinen ändern

Wie heißt es so schön? Man kann den anderen nicht ändern, aber man kann sich selbst ändern. Es ist gar nicht so leicht, das System als Ganzes zu verändern. Wer keine Pestizide mitessen möchte, lieber regional isst und auch nicht Schuld an unfairen Arbeitsbedingungen sein will hat es schon schwerer, als Menschen, die sich darüber keinerlei Gedanken machen. Durch Selbstanbau können wir uns selbst ändern, es selbst ein Stück weit besser machen. Es ist auch nicht schlimm, wenn diese Veränderung „nur“ im kleinen stattfindet. Es gibt immer mehr Selbstversorger – Projekte überall auf der Welt. Man muss nicht alles auf einmal im großen Stil ändern. Viele kleine Veränderungen bewirken auch etwas.

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Love and vitality,

Angie, Tommy und die Kids